Männer verpisst Euch nicht.

Neulich in der Hafencity. Ich sitze mit einer mir sehr vertrauten jungen Frau in einem dieser Bistros, deren Angebotstafeln sich in der Wortakrobatik von exotischen Gerichten überschlagen.
Alles ist healthy, modern und so vegan, dass man sich schon blöd vorkommt, weil man selbst aus Fleisch und Blut besteht. Die Nachhaltigkeit und das gute Gewissen, da alles FairTrade ist, gibt es gratis dazu. Da fällt es gar nicht so schwer, für einen Chai Latte 6€ zu zahlen. Zudem es noch so richtig zeitgemäß eingerichtet ist und man sich allein dadurch schon 20 Jahre jünger fühlen darf.
Also, alles in allem so wie es sein soll im heutigen Zeitgeist, perfekt und so transparent. Nun ja, wäre da nicht dieser erschütternde Eindruck gewesen, welcher durch diesen Moment so nachhaltig wirkt, dass es mich zu diesem Artikel zwingt.

Dank der sehr offenen Art meiner weiblichen Begleitung, wurde ich sehr detailliert darüber aufgeklärt, was es mittlerweile doch für unterschiedliche Möglichkeiten gibt, sich In der Menstruationszeit hygienisch ausstatten zu können. Angeregt hatte ich das Thema selbst, da ich ihr von dieser unsäglichen Kampagne eines Discounters berichtet hatte, welcher zwischen Salami und Weichkäse nun auch Menstruationstassen im Regal anbietet.

Das Ganze noch mit einer überaus männlichen Ansprache großformatig plakatiert, da es sich eher wie ein Trinkfest statt Regelfest gelesen hat. Oder wie würde man „hoch die Tassen“ in diesem Zusammenhang sensibel lesen können?
Unabhängig davon, dass es eh schon für uns Männer nur bedingt nachvollziehbar ist, was die Damen zu „regeln“ haben während dieser Tage (ein Grundverständnis wäre hier durchaus das Mindeste, fragen hilft), so machen wir uns noch weniger Gedanken, wo sie es überall tun müssen.

Nach der Aufklärungseinheit begab sich meine Begleitung auf die Toilette, die aufgrund des großzügigen Platzangebotes durch den Innenraum des Gourmettempels, nur als Ein-Raum für beide Geschlechter geplant werden konnte. Nachdem sie wiederkam und ich mich ebenfalls auf den Weg machte, rief sie mir nur noch ein lapidares „Viel Spaß“ hinterher…. Was sie damit meinte, erschloss sich nach wenigen Sekunden umgehend.

Schon beim Öffnen der Tür spürte ich sofort, was mich erwartete. In dem fensterlosen Raum roch es nach allem, was die Speisenkarte versprochen hatte. Aber das allein sollte es nicht sein. Der gekachelte Alptraum stand in voller Blüte. Oder anders ausgedrückt, es gab keine Ecke mehr im Raum, die wirklich weiß anmutete. Überall schien das Revier markiert von etlichen Artgenossen, die scheinbar an Sehschärfe leiden. Die Trefferquote ins Urinal hatte daher maximal Kreisklassenniveau, wenn überhaupt die Richtung stimmte. Unter diesem Eindruck stellte ich mir nun vor, in was für einer Situation meine Begleitung noch Minuten zuvor gesteckt haben mag. Als Anmerkung hierzu: Wir wissen alle, dass Frauen in den Räumen sanitärer Anlagen mehr Körperkontakt mit der Einrichtung haben. Doch gerade während der Tage, stellt sich dies als besonders unangenehm heraus. Menstruationstasse, so wurde ich aufgeklärt, tragen immer mehr Frauen und sie sind im Prinzip extrem praktisch. Nur das Wechseln ist ein wenig aufwendiger und hinterlässt nicht selten rote Spuren an den Händen, welche sich ein sauberes Wachbecken in Reichweite wünschen. Auch dem WC-Boden kommen viele Damen in dieser Situation näher, als es jedem lieb sein sollte: Zwecks besserer Durchführung, gehen viel Frauen hierfür in die Hocke. Doch in so einem Surrounding muss es den Damen fast unmöglich sein, den Wert ihres Zyklus zu fühlen, der ihm eigentlich gebührt.

Das allein war es nicht, was mir in dem Augenblick in den Kopf schoß. Meine Erinnerungen an dutzende WC’s dieser Welt wurden präsenter denn je und klar, dies war kein Einzelfall, aber durch den aktuellen Umstand wurde mir richtig bewusst, was für Schweine wir Männer doch sein können.

Mit welchem Respekt betreten wir solche Räume? Gut, dass auf den Männerklos meist keine Seife zu finden ist, respektive nicht nachgeladen wird, weil es keinem aufzufallen scheint, dass wir uns eh überall verewigen, egal ob Baum, Busch oder Beton, wird als Selbstverständlichkeit wohl auch noch die nächste Generation übernehmen.

Von daher, Männer, versteht das als Appell an das neue Bewusstsein, welches wir walten lassen sollten. Lasst uns die Damen überraschen und zeigen, dass wir es im Griff haben. Auch wenn die klassischen Heldenzeiten vorbei sind, so hätten wir hier eine wunderbare Alternative, zu zeigen, was in uns steckt.

Und wir bräuchten dafür noch nicht mal einen roten Umhang oder ein Batmobil.

Die Frauen werden es uns danken und am Ende haben wir auch was davon.Oder habt Ihr wirklich Lust auf klebrige Schuhe?

Also, Männer verpisst Euch nicht das nächste Mal!

Seid es Euch wert.

 

A MAN A PAGE  – In dieser Kategorie findet ihr Essays aus der Sicht eines Mannes, welche maximal ein DIN A4 Blatt ausfüllen – in, Zitat des Autors, “Punktgröße 9, da Männer auch mal kleiner denken können.”  Ein kritischer Blick auf den Alltag, satirisch verpackt. Nicht selten endet es in einem Aufruf an die Männer  die weibliche Welt aus anderen Augen zu sehen.   

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