Kein Grund kalte Füße zu kriegen

Damals, als ich noch zur Schule ging, waren Ballerinas unglaublich schick. So ganz aus der Mode sind sie nie, aber damals waren sie so en vogue, dass sie sogar im Winter getragen wurden. Ohne Socken, versteht sich. Das höchste aller Gefühle waren Nylonstrümpfchen. Ich erinnere mich noch, wie meine Eltern mir damals intensiv einprägten, wie schädlich es sei, sich im Winter nicht warm genug anzuziehen. Jeden Winter wurde der wachsende Kinderfuß also mit neuen, dicken Schuhen versorgt und auch das Equipment rund um Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe aufgestockt. Gegen warme Füße hatte ich nichts, die Mütze fand ich deutlich unsympathischer, da uncooler. Ich sah die Ballerina-Mädchen, die dies von ihren Eltern nicht eingebläut bekommen hatten, mit blauen Füßen. Hätte man das Schuhwerk allerdings nicht gesehen und dadurch beim Anblick selbst bereits einen inneren Schauer bekommen, man hätte ihnen die Kälte nicht angesehen.
Der gute Rat meiner Eltern hat mich damals also doppelt gewärmt. Das war vor über 15 Jahren, heute erkenne ich die Richtig- und Wichtigkeit dessen auch freiwillig an.

Direkt an den ersten richtig kalten Tagen letzten Jahres sah ich es wieder, ein jugendliches Mädchen mit Ballerinas. Und zur nächsten Kältewelle nochmals, diesmal eine Frau in ihren besten Jahren mit 7/8 Hose und Ballerinas. Mich holten die Bilder meiner Jugend ein.

Warum ich das mit Euch teile? Weil es um Wärme geht. Wärme ist Leben. FOUND MY MEE, sich zu finden, ist Wärme. Wärme ist ankommen. Wärme ist Zufriedenheit.
Nur, wenn wir in Wärme sind, ist unser Körper entspannt und die Energie kann voller Kraft fließen. Sind wir frei und somit in unserem Potential. In Wärme fühle wir uns wohl. Ihre Geborgenheit ist es, wonach wir uns im Inneren alle sehnen. Ja, all unsere Bestreben und Bemühungen im Leben, auch wenn sie unterschiedlichster Natur, Ausrichtung und Beschaffenheit sind, zielen im Kern auf Wärme ab. Vielleicht, weil wir so im Mutterlaib herangewachsen sind? Zu der Zeit waren wir noch komplett mit uns verbunden, unser Fokus lag nur auf uns selbst und unserer Mutter. Wir folgten unseren natürlichen Bedürfnissen und wurden mit allem versorgt, was wir brauchten. Die Natur hat es vorgesehen, uns so ins Leben zu schicken. Der optimale Zustand – den man zeitlebens zu erreichen versucht. 

Kinder sind lange Zeit noch sehr mit ihrer Intuition, ihrem eigenen Gefühl verbunden. Sie leben noch in Wärme. Je nach Erziehung, Umfeld und Umständen wird ihnen dies Stück für Stück genommen. Man lernt, wie man sich zu verhalten hat und wie nicht. Wir leben in so einer Fülle, dass wir jederzeit nehmen können. Wir müssen uns nicht mehr reduzieren und auf unsere eigentlichen Bedürfnisse hören, wir können ganz unseren Gelüsten folgen. So kommt es, dass die meisten in dieser Konsum- und Druckgesellschaft das richtige Gefühl zu sich selbst verloren haben. Auf der Suche nach Wärme, geraten sie zu schnell in Hitze und verbrennen sich daran oder aber verkühlen sich an Kälte. 

Es ist nicht einfach, in Wärme zu bleiben, denn sie ist die Mitte von allem. Das bedeutet, sie gibt sich mit wenig zufrieden, hält sich im Zaum und versucht nichts durch Konsum aufzufüllen. Sie sucht die Schuld nicht bei anderen und entlädt keinen Hass. Genauso kennt sie ihr Spektrum aber so gut, dass sie sich auch nicht mit zu wenig zufrieden gibt und gut auf sich aufpasst.
Wie sich Wärme anfühlt, weiß man. Auch wenn die Empfindung von Wärme und auch der Zugang zu ihr für jeden individuell ist.
Jeden macht etwas anderes glücklich. Unser Hobby, unsere Leidenschaft, das ist Wärme. Warme Sonnenstrahlen auf der Haut, ein lauer Sommerabend. Zeit mit sich alleine und entspannte Zeit mit denen, die einem wichtig sind. Lesen, kochen, basteln, handwerken, spazieren gehen, schreiben, fotografieren, kreieren, Sport, Gartenarbeit – jedem das, was ihm Wärme gibt.
Wir tendieren dazu, uns erst Wärme zu erlauben, wenn die Pflicht erfüllt ist. Dabei täte es so gut, sich mehr um seinen Wärmehaushalt zu kümmern, da er unsere Energie wieder auffüllt und sich auch die Pflicht so besser erfüllen lässt. Es ist keine Schande, sich gut um sich zu sorgen und etwas für sein eigenes Wohlbefinden zu tun, es ist Weisheit. Man darf es sich erlauben. Seid es Euch wert.

Zurück zu den Ballerinas. Auch wenn es bei der Wärme, von der bisher geschrieben wurde, primär um eine innere, emotionale Wärme geht, zieht sich das Bedürfnis letztendlich durch alle Ebenen. Innerlich wie äußerlich. Wer kennt das nicht? Wenn einem kalt ist, ist man unentspannt, genauso wie man in stressigen Phasen schneller friert. Und wir Frauen wissen sehr gut: Mit kalten Füßen kann man nicht einschlafen. Die Füße sind ohnehin ein entscheidender Indikator. Solange sie warm sind, ist es meist der gesamte Körper, doch wenn sie erst einmal kalt sind… schnell warm kriegt man sie dann auch nicht unbedingt. Viele haben sich sogar schon so sehr an kühle bis kalte Füße gewöhnt, dass ihnen die damit einhergehende körperliche Anspannung garnicht mehr auffällt. Erst wenn wieder alles in Wärme zirkuliert, spürt man wie gut es tut. 

Frauen frieren schneller, da sie weniger Muskelmasse haben und der Körper die Wärme bei Verlust immer als allererstes im Rumpf behält, um so die wichtigen Organe zur Fortpflanzung und ggf. auch ein heranwachsendes Kind zu schützen. Die Extremitäten haben hier schnell das Nachsehen, was nunmal bei den Füßen und Händen anfängt. 

Ziel unseres Körpers ist es, durch alle Jahreszeiten hindurch die Durchschnittstemperatur von 36,3-37,4°C zu halten. Das ist auch gut so und hat seinen Grund, denn mit dieser Temperatur hat alles optimale Voraussetzungen. Damit das konstant aufrecht erhalten wird, gibt es verschiedene Mechanismen wie Schwitzen oder Zittern. Wie unklug wäre es also, wenn wir uns selbst dabei nicht unterstützen würden, sondern gar dagegen arbeiten würden? Schließlich fühlen wir uns am Wohlsten, wenn uns angenehm warm ist. Diesem Gefühl folgend, kleiden wir uns dem Wetter entsprechend. Der Mode folgend, kleiden wir uns nicht unbedingt dem Wetter entsprechend.
Wärme zu erzeugen und auf einem Level zu halten, kostet Energie. Sie wieder zu verlieren, geht schnell – wie mit allen Dingen im Leben. Insbesondere über Kopf und Füße strömt die Wärme im Winter aus uns heraus. An den Füßen geht es doppelt schnell, da der kalte Boden von unten zusätzlich zieht. 

Lebt man intuitiv, weiß man, dass Kälte nicht gut tut. Die traditionelle chinesische Medizin zeigt, wie fatal dieser Energieverlust wirklich ist. Basierend auf den 5 Elementen, steht Wasser steht für Kälte, Winter und die sogenannte Nierenenergie. „Nierenenergie“ ist von allen Energien die wichtigste, da sie für unsere Lebensenergie steht. Sie bestimmt somit auch über die Länge (und Qualität) unseres Lebens. Wir alle bekommen ein gewisses Energielevel mit ins Leben. Man mag es sich wie ein Sparkonto vorstellen – man kann gut damit umgehen, anlegen und Energie aufbauen, oder schnell viel ausgeben und Energie verlieren. Da Kälte nun der sogenannten Nierenenergie zugeordnet ist, greift sie diese direkt an. Sprich, sie nimmt viel unserer Lebensenergie mit sich. Fakt. So schnell und einfach geht das. Einfach so, nur für den „guten Look“. 

Man unterschätzt die kleinen Handlungen des Lebens, doch alles hat immer einen Einfluss auf alles. Die Füße sind unsere Verbindung zur Erde und zum Leben – „mit beiden Beinen fest im Leben stehen“, bedeutet in seiner Kraft zu sein und sich seiner selbst und dem Leben sehr bewusst zu sein. Wir tun gut daran, darauf zu achten, dass wir zumindest einen Großteil unserer Zeit gutes Schuhwerk tragen. Genau wie Kälte schädlich ist, enterden und somit entkräften auch hohe Schuhe, ebenfalls ein Produkt der Mode, uns. Unsere Füße sind es, die uns durchs Leben tragen. Wir sollten gut auf sie aufpassen. Besonders, jetzt im Winter. Wollen wir unsere Energie behalten und unserer Gesundheit nicht schaden, sollten wir darauf achten, dass uns immer warm genug ist. Genauso sollten wir uns jetzt nicht auf kalte Unterlagen setzen, was ebenfalls direkt an die Nieren geht. Der Gelbe Kaiser, das älteste Buch der chinesischen Medizin, erzählt im Grunde genommen nur davon, wie man entsprechend mit den Jahreszeiten lebt. Man unterschätzt es so schnell, aber wenn eine ganze Medizin darauf beruht, sollten wir dieser Weisheit vielleicht wieder ein wenig mehr Beachtung schenken. Und, ganz ehrlich, wir wissen doch selbst dass die meisten Leute Schuhe garnicht so sehr bemerken und wir wissen auch, dass unsere Liebenswürdigkeit nicht von Schuhen abhängt. Ganz im Gegenteil, selbstbewusst getragene Winterschuhe, die uns die innere Wärme geben, lassen uns mehr strahlen als jeder Sommerschuh, der uns frieren und angespannt werden lässt, es je könnte.

Also, auch wenn Winterzeit ist, kein Grund kalte Füße zu kriegen – Seid es Euch wert!

 

BEWUSSTSEIN – In dieser Kategorie geht es um das eigene Bewusstsein in Hinblick auf das „Externe“. Sprich, ich in der äußeren Wahrnehmung, ich in Verbindung mit der Welt, die Welt an sich. 

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